Schlaf und Schlafstörungen

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Eine im engeren Sinne naturwissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema Schlaf findet erst seit ca. 60 Jahren statt. Ausgangspunkt für die moderne Schlafforschung war die Entdeckung des REM (Rapid Eye Movement)-Schlafs in Chicago im Jahr 1953 durch die amerikanischen Wissenschaftler Aserinsky und Kleitman. Kurz darauf führte die Entdeckung, dass der REM-Schlaf eng mit dem psychologischen Phänomen des Traums verbunden ist, zu einem stark gesteigerten Forschungsinteresse am Thema Schlaf. In den 50er und 60er Jahren gab es sehr viele psychophysiologisch orientierte Untersuchungen, die sich mit Zusammenhängen zwischen psychologischen Aspekten des Traums und physiologischen Aspekten des REM-Schlafes beschäftigen. Leider konnte diese Forschungsrichtung nur mit wenigen handfesten Ergebnissen aufwarten, und es fanden sich in der Regel nur unspezifische Zusammenhänge zwischen physiologischen und psychologischen Aspekten des REM-Schlafs und des Träumens.

Sehr bald setzte auch eine grundlagenorientierte Schlafforschung ein, die in den USA und verschiedenen europäischen Ländern wie etwa Italien, Frankreich und der Schweiz intensiv betrieben wurde. Inzwischen konnten viele Teilaspekte der Neurophysiologie, Biochemie, Neuroendokrinologie etc. der Schlaf-Wach-Regulation beschrieben und entsprechende Modelle zur Erklärung unseres Schlaf-Wach-Verhaltens erarbeitet werden. Eine Antwort auf die Frage, warum wir schlafen, ist aus naturwissenschaftlicher Sicht bisher jedoch noch nicht gelungen. Den möglicherweise interessantesten Befund der letzten Jahre aus dem Gebiet der Grundlagenforschung stellt die Entdeckung der sogenannten Orexine, einer Form von Neuropeptiden, dar, die bei einer seltenen schlafmedizinischen Erkrankung, der Narkolepsie, vermindert sind. Dies konnte nicht nur am Menschen, sondern zuerst im Tiermodell gezeigt werden. Möglicherweise eröffnen sich hier sogar kausale Behandlungsmöglichkeiten für die Narkolepsie, eine bisher als unheilbar geltende Erkrankung mit massiv erhöhtem Schlafdrang und unwillkürlichem Einschlafen und erhöhter Müdigkeit während des Tages.

Seit ca. 30 Jahren gibt es auch eine zunehmende Beschäftigung von Medizinern verschiedener Fachrichtungen (Psychiatrie, Neurologie, Innere Medizin, HNO, Kieferchirurgie, Pädiatrie), Naturwissenschaftlern (Biologen, Physiker, Pharmazeuten etc.) und Psychologen mit der Problematik Schlafstörungen. Während initial unter Schlafstörungen ausschließlich die Insomnien, d.h. Schlaflosigkeit, verstanden wurde, kennt man in der Zwischenzeit mehr als 80 verschiedene Formen von Schlafstörungen, die sich grob in die Insomnien (= zu wenig Schlaf), die Hypersomnien (= zu viel Schlaf), Parasomnien (Schlafwandeln, Alpträume etc.) und Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen (Schichtarbeit, Jet lag) einteilen lassen.

Besonderen Stellenwert bei der Entwicklung der Schlafmedizin hat dabei das Krankheitsbild der Schlaf-Apnoe, d.h. nächtlicher Atemstillstände, gewonnen. Bei diesem Krankheitsbild imponiert klinisch eine eingeschränkte Vigilanz während des Tages und nachts fallen häufige Atempausen, meist gekoppelt mit unregelmäßigem Schnarchen, auf. Es besteht eine hohe Komorbidität mit verschiedenen internistischen Erkrankungen, wie etwa Herz-Rhythmusstörungen und Bluthochdruck. Die Erkenntnis, daß Schlaf-Apnoe-Syndrome nicht nur beim seit langem bekannten Pick-wick-Syndrom auftreten, sondern in der Bevölkerung relativ weit verbreitet sind, haben in den USA und letztendlich auch in Deutschland dazu geführt, daß sich schlafmedizinische Zentrum und Schlaflabors an vielen Kliniken etablieren konnten. So stehen in Deutschland zur Zeit etwa 200 von der DGSM (Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin) akkreditierte Schlaflabors zur Verfügung, die sich in 80% aller Fälle vorrangig dem Krankheitsbild der Schlaf-Apnoe widmen.

Große Fortschritte konnten jedoch auch auf dem Gebiet der Insomnien gemacht werden. Während früher die Beschwerde Schlaflosigkeit ausschließlich mit der Gabe eines Hypnotikums beantwortet wurde, hat sich auch hier eine deutliche Verbesserung im Erkennen der Insomnien und in der Versorgung und Behandlung der Insomnien ergeben. Inzwischen werden die Gefahren und Risiken der Langzeithypnotikaeinnahme realistisch eingeschätzt und vor allem Techniken aus der kognitiven Verhaltenstherapie konnten sich, belegt durch viele Studien, als effektiv beweisen. Hierzu gehören Entspannungstechniken, Regeln der Schlafhygiene, Stimuluskontrolle, Schlafrestriktion, Schlaf-Wach-Rhythmusstrukturierung und kognitive Techniken zur Reduktion nächtlicher Grübeleien.

Die oben aufgeführten Internet-Links zum Thema Schlaf und Schlafstörungen sollen dem Interessierten einen Überblick über verschiedene Informationsangebote geben. Mit eingeschlossen sind dabei wissenschaftliche Fachgesellschaften, Fachzeitschriften, Selbsthilfegruppen, schlafmedizinische Zentren, Literaturdienste und Informationsangebote sowie wissenschaftliche Institutionen.

Prof. Dr. rer. soc. Dipl.-Psych. Dieter Riemann, Leiter der Sektion klinische Psychologie und Psychophysiologie und des schlafmedizinischen Zentrums der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik Freiburg, Hauptstrasse 5, 79104 Freiburg, Tel: 0761/270-6919, Fax: 0761/270-6667; E-Mail: DIETER_RIEMANN@PSYALLG.UKL.UNI-FREIBURG.DE

Diese Kategorie wird redaktionell betreut von: Prof. Dieter Riemann